Volleyball (HM):Da hilft auch der weiße Riese nicht mehr

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Volleyball - Nachrichten
Geschrieben von: Markus Mohr   
Montag, den 23. Januar 2017 um 13:41 Uhr

20170121 VB HM2

Die Prima und Sekunda beim Einschlagen zum Derby

Dülmen (mpm). Ein Derby lag in der Luft, diesmal mit besonderer Duftnote. Am Wochenende beehrte die Spitzengruppe der BFS Westfalen Nord Coesfeld Kreisliga A im Hobbymixedbereich namentlich mit der Erst- und Zweitbesetzung des TV Dülmens ihren Gastgeber, die Zweitvertretung der SG Coesfeld 06. Während die Sekunda die Kreisstädter mit 2:0 (25:16, 25:14) wie erwartet in Schach halten konnten, musste die Prima Federn lassen und das Spiel gegen Coesfeld zu 0:2 (13:25, 21:25) herschenken. Letzteres Ergebnis gestaltete sich aber als nebensächlich, so hatten sich zuvor die Erste und Zweite ein wahres Schlagduell geliefert, das die Zweite zwar mit 2:1 (25:16, 22:25, 25:22) für sich entscheiden konnte, aber im zweiten Satz strauchelte, angezählt wurde und liegen blieb.

Die SG Coesfeld gab sich mit mageren 5 Zählern als zweitletzter in der Tabelle auf dem Papier schlechter als in Wirklichkeit. Ihr Spiel ist gekennzeichnet durch kraftvolle Angriffe und spielstarke Damen, insgesamt ein durchaus zählbarer Gegner. Hatte man sich in der letzten Saison schon gute Duelle geliefert, so versprach das Aufeinandertreffen doch einen Tanz auf ansehnlichem Niveau. Die Sekunda war mit Sparbesetzung aufgelaufen – eine Nase für jede Position, Christiane und Mirka verhindert, Erpse mit Schulter als Bankdrücker. Zum Glück konnte Ina kurzfristig in illustrer Runde begrüßt werden, um das zahlenmäßige (und nur das!) Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu egalisieren, die Spielfähigkeit des Teams herzustellen und natürlich dem Außenangriff ihren Stempel aufzudrücken.

Das erste Spiel gegen die SG Coesfeld 2 war keineswegs so klar wie es der Spielstand auf den ersten Blick vermuten ließe. Im ersten Satz konnte die TV2 noch klar Position beziehen, sich früh absetzen und den Satz aus einer frühen Führung heraus dominieren. Die Abstimmung passte und die Angriffe, gänzlich locker ohne Verbissenheit, verfehlten ihr Ziel nicht. Die SG hielt wacker dagegen, konnte der Sekunda aber zu keinem Zeitpunkt gefährlich werden.

Im zweiten Satz sah das anders aus. Die SG legte sich ins Zeug, setzte Druck auf und spielte gleichauf bis zum 14:14 Einstand. Nun begann das Aufschlagsmassaker. Christa schritt zur Grundlinie und servierte die SG in Grund und Boden. Christa beschwor ein wahres Aufschlagsgewitter herauf, wütete nach Gutsherrenart im Coesfelder Hinterfeld und ließ wahrlich kein Auge trocken. Die chicken Aufschläge erreichten die Annahmespieler immer in perfekter Anspielhöhe – viel zu hoch für einen typischen Bagger sowie viel zu tief für die obere Annahme. So landete das Gros der Bälle sofort unspielbar von der Hand an der Wand. Coesfeld reagierte, verwaiste seine Anspielpositionen auf der eins und sechs und platzierte gleich drei Annahmespieler auf der zurückgezogenen 5. Christa ließ sich von dem dichte Gedränge im Zielgebiet nicht beirren und schlug weiter erfolgreich auf die vortrefflich einstudierte Position. Als sich der Sturm verzogen hatte, stand es 23:14 auf dem Schlachtfeld und die Sekunda konnte mit nur noch zwei Punkten vollstrecken. Das Vorspiel war in trockenen Tüchern.

Im alsdann anstehenden Scharmützel der Prima und Sekunda hatten sich die Altvorderen auf die Fahne geschrieben, der Reserve mal vor das Schienenbein zu treten, in die Suppe zu spucken sowie gehörig am Stuhlbein des Spitzenreiterthrones zu sägen. So wurde mit elf Spielern in Bestbesetzung aufgelaufen – wo findet man in der Liga noch eine so opulent ausstaffierte Ersatzbank? Auf den Punkt austrainiert konnte gehörig mit den Ketten gerasselt werden bevor der Unparteiische zum Tanz bat. Es roch förmlich nach Testosteron und Übereifer.

Egge war in Höchstform und unerbittlich auf Mission Punktejagd. Der Lange war auch mit schmerzhaften Unpässlichkeiten im unteren Rücken nicht aufzuhalten – alles oberhalb von 1,50 m zählte nun zu seiner Lufthoheit. Lisa hatte alle Kniesorgen der letzten Zeit in den Wind geschrieben. Iris zeigte sich zielstrebig und effektiv wie eh und je. Eine Anke in Höchstform bildete eine Angriffsallianz mit dem Langen, der als Undertaker in der Mitte auf den Ball brannte. Linkseput Pfitze war in gefährlich hohen Sphären unterwegs, während die Bank lautstark und mit allen Wassern gewaschen ein Derby bis zum Äußersten forderte. Alle und alles war bereit, um der Zweiten das Leben schwer zu machen.

Im ersten Satz kollidierte guter Kampfgeist von beiden Seiten. Die Prima musste sich finden und ins Spiel kommen, wo sie von der Sekunda in Empfang genommen wurde. Die Prima legte zu Satzbeginn punktemäßig vor, musste sich aber dem Druck der Reserven-Aufschläge und der Reserven-Angriffe geschlagen geben. So ging der erste Satz recht ungefährdet mit 16 Gegenzählern an die Sekunda. Eine bemerkenswerte Spielsituation gilt es zu notieren, als Timo nach gelungener tiefer Feldabwehr von den Eidgenossen noch mündlich zum Aufstehen ermutigt, sich anschickte den nächsten Ball aus liegender Position abzuwehren. Dazu kam es aber nicht, denn Czippi hatte eigenmächtig seine Abwehrposition auf der langen 5 verlassen und sich seinem Helfer-Syndrom Ausdruck verleihend in die Flugbahn des Balles geworfen. Natürlich ging der Ball weg, gefolgt von einem Aufschrei der Entrüstung, was ihm wohl einfiele und warum er glaube, das man nicht auch liegend abwehren könne.

Im zweiten Satz lief es für die Prima wie am Schnürchen und legte satt vor. Von Fortuna begünstigt klappten die Spielzüge wie einstudiert. Die Zweite war auf der Hut und platzierte die Abwehr tief im Hinterfeld, um die geworfenen Bälle parieren zu können. Allerdings konnte sie vorne keinen Druck im Angriff aufbauen, erlaubte sich zu viele Eigenfehler in der Annahme und präpelte die Bälle nur auf die Gegenseite. Dort wurden diese dankbar aufgenommen, Anke bedient, welche nur noch einen Briefmarke auf den Ball kleben musste, da der Lange bereits seit Urzeiten als Empfänger feststand. Der musste nur noch beliebig mal links, mal rechts, mal mittig einlochen. Ein Spektakel sonderhausen, das nach jedem erfolgreichen Abschluss noch minutenlang frenetisch und ektatisch abgefeiert werden musste. Landete der zugespielte Ball dann auch mal am Netz in Vorbereitung für einen Angriff, so baute sich gleich ein gierig monumentaler Block auf, um den Angreifer gleichsam in ewiges Dunkel zu tauchen und seine Angriffsbemühungen im Keim zu ersticken. In der Phase klappte alles für die Prima, während die Sekunda das Feld mied. Nicht verwunderlich, dass sie des Satzes verlustig ging nicht zuletzt durch geschlossene prima Mannschaftsleistung, guten Einsatz und natürlich das Quäntchen Glück des Tüchtigen. Nach gefühlten Aeonen erstmalig der Sekunda einen Satz abgerungen zu haben führte zu ausgelassenem Jubel im Lager der stets Erstgenannten.

Im Entscheidungssatz hatte der Erste wieder vorgelegt; der Vorsprung war aber flugs wieder eingedampft. Die Sekunda besann sich auf ihre Stärken: das Gegenhalten, durch das Zuspiel den Block zu manipulieren, um dann genüsslich zuzusehen, wie sich der Angreifer ungehindert sein Ziel aussuchen kann. Der eigene Aufschlag als eine gewichtige Komponente des Zusammenspieles funktionierte wieder. So gelang es immer besser Druck aufzubauen und das koordinierte Zuspiel der Prima zu behindern. Ina beendet Satz in einer Sternstunde mit einem Block über die vier. Das hat es noch nie gegeben.

Im letzten Spiel Prima gegen Coesfeld war die Luft raus. Die Erste hatte ihr Pulver verschossen und ihr Glück im vorherigen Spiel auf eine Karte gesetzt. Nun klappten einfachste Dinge in der Abstimmung nicht mehr, die Zipperlein meldeten sich und der letzte konsequente Schritt in der Annahme blieb nun aus. Wohl erholt und in der Pause gut gestärkt fegte die SG über den TV1 hinweg, ließ nur 13 Punkte liegen und heimste sich den ersten Satz ein.

Im zweiten Satz besannen sich die Tiberstädter wieder auf ihre Stärken, mussten aber wieder einer Konzentrationsschwäche in der Annahme Tribut zollen und standen schnell in Rücklage. Das Spiel schien bereits verloren, als die Ersatzbank die Trommeln schwang und Fanfaren zückten, zur Aufholjagd blies und die gebeutelten Maiden und Recken lautstark nach vorne peitschten. Der Punktezug kam ins Rollen, aber leider war der Abstand zu groß. Die Prima kam noch auf 21 Zähler heran, bevor Coesfeld 2 den Satz und das Spiel beschloss.

Es spielten für den TV: 

  1. Geh weg und lass mir meine Bälle! Ich lag perfekt.
  2. Wenn ich nicht bedient werde, dann klatscht es halt nicht.
  3. Wenn der Dicke nicht aufsteht, dann nehme ich halt seine Bälle vor der grünen Linie.
  4. Ich trau mich was und nehm auch Timo den Ball weg.
  5. Verantwortlich für das Aufschlagsmassaker
  6. Die Neue braucht noch was Routine
  7. Auch auf der Bank zwickt mich eine Extremität
  8. Angriff vorne oder hinten – weiß ich manchmal selbst nicht
  9. Egal was ihr tut, beim Schwitzen bin ich nicht dabei.
  10. Huuh heute ist das Netz sehr hoch.
  11. Heute spuck ich dem Jungvolk in die Suppe, das ist n Ding was sicher ist. Vollgas!
  12. Die linke Klebe klebe ich Euch ins Hinterfeld.
  13. Spielt mich an, dann spiel ich zu.
  14. Heute ein gutes Händchen im Zuspiel. Klappte wie am Schnürchen mit dem Testosteron bomber.
  15. Wie? Der Libero darf nicht schlagen? Das ist n Witz.
  16. Das Knie wird ausgeblendet.
  17. Ich schlag nun cross und longline und immer steht da einer.
  18. Jetzt hab ich Rücken. Ich muss weg.

 

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 15. Februar 2017 um 09:11 Uhr
 
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